Seit nahezu 20 Jahre haben wir eine Praxis im Herzen Zürichs. Zwischenzeitlich hatten wir zweimal die geografische Lokation gewechselt, aber all das bewegte sich im Umkreis von etwa 10 Gehminuten bzw. 500 Metern.

Die Praxis ist unser Arbeitsplatz und Teil unseres Lebens und wir möchten die Arbeit vor Ort nicht missen.
Lange war es für uns unvorstellbar Online Paar- oder Einzelsitzungen anzubieten. Dann kam Corona und wir hatten keine andere Wahl.

Mittlerweile haben wir festgestellt, dass es bei den meisten Sitzungen keinen Unterschied macht, persönlich von Angesicht zu Angesicht zu arbeiten, oder mit unseren Klienten eine „Video-Begegnung“ zu haben. Vielmehr hat sich herauskristallisiert, dass die Vorteile räumlicher und zeitlicher Flexibilität, den vermeintlichen Nachteil des „Persönlichen“ überwiegen – für unsere Klienten und für uns selbst.

Der Prozess persönlicher Entwicklung, ob therapeutisch, im Coaching und sogar spirituell, findet immer im Klienten statt. Und zumeist geschieht diese Integration auch nicht in der Sitzung, sondern im alltäglichen Leben.

Die Rolle von Therapeuten

Therapeuten sind seit Erfindung der Psychoanalyse zumeist Zuhörer, Begleiter und halten einen Rahmen, in dem der Klient seine Impulse und seine Richtung finden kann.

Nur gab es zur Zeit Sigmund Freuds kein so ausgefeiltes Kommunikationsmittel, wie die heutigen Videokonferenz-Tools. Die Menschen, die mit ihm arbeiten wollten, waren darauf angewiesen nach Wien zu fahren, sich auf seine Coach zu legen und zu reden. Er hörte zu, stellte die eine oder andere Frage und etablierte damit die Redekur, die heute Psychoanalyse heisst.

Seit Freud haben sich die Zeiten geändert, Therapie hat sich weiterentwickelt und mittlerweile gibt es unzählige Methoden. Die Kommunikationsmöglichkeiten haben sich ebenfalls entwickelt, vom Telefon über das Bildtelefon, bis zur im Geschäftsalltag üblichen Videokonferenz.

Manchmal ist die IT zu Beginn etwas holprig und Kamera, Mikrofon oder die Audioausgabe klemmen. Aber wenn diese Schwierigkeiten überwunden sind, erleben wir keinen Unterschied zu einer Live-Sitzung.

Online versus Praxisbesuch

Dennoch stimmen wir jedem zu, der sagt, da fehlt etwas: ein spezifischer Raum, ein Weg dorthin, ein Geruch, vielleicht auch die Tasse Tee oder das Glas Wasser, was üblicherweise angeboten wird; und natürlich fehlt das Händeschütteln, kurz nach dem Betreten des Raums.

Unsere Präsenz und wenn Du es zulässt, emotional berührt und bewegt, zu sein, haben wir Online teilweise sogar intensiver erlebt – wahrscheinlich lässt sich die äussere Welt in diesem Setting einfacher ausblenden.

Die Arbeit der Integration bleibt ohnehin die gleiche – die wirst Du immer mit Dir allein machen.

Mit der Umstellung auf online, haben wir uns weitgehend für „nomadische“ Lebensumstände entschieden, und sind häufig in der Welt unterwegs.

Persönlich treffen kannst Du uns dennoch, aber eben zumeist nicht in unseren Praxisräumen und auch nicht lange im Voraus verabredet. Gewöhnlich wissen wir etwa 4 Wochen vorher, wo wir demnächst sein werden, die genauen Umstände kennen wir jedoch häufig selbst nicht genau.

Für ein persönliches Treffen bleibt Dir nur, Dich auf ein Abenteuer einzulassen und zu schauen, was das Schicksal so alles in seinem Backpack hat; oder aber abzuwarten, wann wir wieder einmal in unserer Zürcher Praxis sind.

Gebuchte Online-Sitzungen werden wir immer, wenn nicht gerade ein Hurrikan über uns hinwegfegt, ein Tsunami naht oder um uns herum ein Krieg ausbricht, wahrnehmen und für ein stabiles Internet, Sorge tragen.

Zu Beginn unserer Praxiszeit waren wir mit allen Klienten per Sie.

Es war nicht nur Höflichkeit, sondern wir brauchten das „Sie“ auch zur Abgrenzung – es schuf eine professionelle Distanz.

Anfangs war das wichtig, denn so professionell wir auch auftraten, so unsicher waren wir in der vermeintlichen Professionalität. Über die Jahre konnten wir uns, auch durch Anregung durch Klienten, auf das „Du“ einlassen und sind heute mit nahezu allen Klienten per Du. Es unterstreicht die Augenhöhe und Vertrauensbasis in der Zusammenarbeit.

Auf der Webseite wählten wir bisher dennoch das „Sie“ als Ansprache: es erschien uns respektvoller und folgte den Höflichkeitsregeln im deutschen Sprachraum.

Mit dem Umbau unserer Praxis von stationär zu online, ging auch eine Internationalisierung einher und das Angelsächsische kennt kein „Sie“ nur das „You“.

Wir haben es für unsere gesamte Webseite übernommen.

In Sitzungen richten wir uns jedoch gerne nach Dir/Ihnen.

Aus unserem Erleben bei der Begleitung von über 7.000 Paaren in den letzten 16 Jahren haben wir entschieden nur noch Zwei zu Zwei Sitzungen anzubieten.
Die Erfahrung hat uns gelehrt, dass eine Einzelperson oftmals zwischen die Stühle rutscht.

Ein einzelner Therapeut ist in solchen Momenten häufig mehr mit dem Ausbalancieren der Aufmerksamkeit beschäftigt als mit den eigentlichen Anliegen des Paares.

Auch ergänzen sich in unseren Zwei zu Zwei Sitzungen das Männliche und das Weibliche, sowie unterschiedliche Sichtweisen und Wahrnehmungen der Welt.

Ab und an erhalten wir Anfragen von Klienten, die auf den etwas höheren Preis von Zwei zu Zwei Sitzungen verweisen und gerne nur einen Therapeuten in Anspruch nehmen möchten. Das können wir nachvollziehen; daher berechnen wir auch nicht den Satz von zwei Therapeuten, sondern liegen bei Sitzungen in unserer Praxis nur etwa 25% über dem in der Schweiz üblichen Ansatz einer Paarsitzung mit einer Einzelperson.

Wenige Tage nach einer Sitzung erhältst Du von uns eine Rechnung via Mail.

Die Rechnung enthält eine IBAN, sodass Du uns den Betrag überweisen kannst und einen Link zu unserem PayPal Konto. Dort kannst Du, ohne PayPal Kunde zu sein mit Deiner Kreditkarte als Gast zahlen.

Wir bitte darum, dass unsere Rechnungen innerhalb einer Woche nach dem Mailversand, aber spätestens vor der nächsten vereinbarten Sitzung bezahlt werden.

Vertrauen

Vertrauen ist ein Geschenk – man kann es nicht kaufen und sich auch nicht „erarbeiten“, auch wenn es häufig heisst Vertrauen muss man sich verdienen.

Was erarbeitet oder verdient werden kann bzw. muss, ist kein Vertrauen, sondern Teil eines Deals – eine Übereinkunft, in der ein Austausch von materiellen oder emotionalen Gütern stattfindet. Mit Vertrauen hat dies nichts zu tun, denn es setzt eine am Anfang stehende Abmachung voraus.

Wir möchten keine Deals machen, nicht miteinander, nicht mit Dir und auch nicht mit dem Rest der Welt. Deals engen ein, denn sie basieren auf Regeln, von denen immer einige als Selbstverständlichkeit genommen werden und andere Tabus sind. In der Welt des Tauschhandels, versuchen Rechtsgelehrte, jedes Details eines Deals so gut wie möglich abzusichern und doch geht ihnen oftmals etwas durch die Lappen, oder sie sind so ausgefuchst, dass aus dem eigentlichen Deal ein „über den Tisch ziehen“ wird.

Natürlich ist auch eine Sitzung zwischen Dir und uns ein Tauschhandel: Du erwartest ein Zuhören und Impulse in einem festgesetzten Zeitrahmen. Du erwartest, dass diese Sitzung am vereinbarten Termin stattfindet und wir in der vereinbarten Zeit mit unserer Präsenz ganz dabei sind.

Wir erwarten, dass Du uns für die zur Verfügung gestellte Zeit, den vereinbarten Betrag an Geld zahlst.

Du vertraust Dich und Deine Sicht auf Deine aktuelle Beziehung oder ein anderes Thema uns an; wir vertrauen, dass Du, nachdem Du unsere Rechnung via Mail erhalten hast, die vereinbarte Summe zahlst.

Dies ist der Unterschied zu einem Deal, Du schenkst uns Dein Vertrauen und wir Dir unseres.

Nichts Kleingedrucktes, keine Verträge, stattdessen schenken wir uns gegenseitig Vertrauen.

1 Filmzitat: Cloud Atlas – Sonmi451

2 Theodor W. Adorno: Minima Moralia

3 Erich Fromm: Kunst des Liebens

4 Khalil Gibran: Schönheit

5 Rumi: Ghaselen

6 Platon: Politeia

7 Platon: Apologie des Sokrates

8 J.W. Goethe: Faust